hjhjhh

Nominalphrasensemantik und Anaphora.

Klaus von Heusinger, Klaus (eingereicht).

Hürth-Efferen: Gabel. (Kölner Linguistische Arbeiten)


1. Einleitung

Die Analyse der Bedeutung natürlicher Sprache ist eines der interessantesten und ältesten Forschungsvorhaben, kognitive Strukturen zu erkennen. Im Mittelpunkt steht hier die Art und Weise, wie Sprache ihre Gegenstände konstituiert bzw. wie sprachliche Ausdrücke auf ihre Objekte referieren. Diese Diskussion wird seit der Antike in Philosophie, Logik und Sprachwissenschaft geführt und spielt seit einigen Jahren eine entscheidende Rolle in kognitiven Modellen.

Semantische Theorien rekonstruieren Bedeutung mit formalen Modellen, deren Eigenschaften interessante Rückschlüsse auf die Struktur der Bedeutung erlauben. Im Zentrum des Interesses steht die Frage nach den Grundelementen der Bedeutung und der Gegenstände, auf die sich unsere sprachlichen Ausdrücke beziehen. Es besteht nicht nur eine alte Kontroverse, welcher Natur diese Gegenstände sind (real, nominal oder mental) sondern auch ihre formalen Repräsentationen variieren beträchtlich. Die Untersuchung von anaphorischen Beziehungen kann in diesem Zusammenhang aufklärend wirken. Denn in einem komplexen Zusammenspiel des anaphorischen Ausdrucks mit seinem Bezugswort zeigen sich Eigenschaften der Referenzobjekte, die sich ansonsten nicht erkennen lassen. Daher gilt die erfolgreiche Behandlung anaphorischer Ausdrücke als Voraussetzung für die Korrektheit semantischer Theorien.

In den letzten Jahren haben sich zwei unterschiedliche Positionen in der Frage nach der Art der anaphorischen Beziehung entwickelt. In Diskursrepräsentationstheorien und Dynamischen Logiken wird das anaphorische Verhältnis als Bindung repräsentiert. Die gilt auch für satzübergreifende anaphorische Verhältnisse, den Satzanaphern. In dieser Sicht wird die Einheitlichkeit der Referenzart des anaphorischen Pronomens erhalten und auf die Referenzart des Antezedens zurückgeführt. In der alternativen Sicht, der sogenannten E-Typ-Analyse, werden unterschiedliche Arten von Pronomen angenommen. Neben Pronomen, die als gebundene Variablen dargestellt werden, gibt es noch solche satzübergreifende Pronomen, die sogenannten E-Typ-Pronomen, die als definite Kennzeichnungen analysiert werden. Damit ist die Einheitlichkeit der Beschreibung von anaphorischen Pronomen aufgehoben, zugunsten einer Vereinheitlichung von anaphorischen Pronomen und anaphorischen definiten NPs.

Komplexe sprachliche Phänomene wie Plural, Einbettungen unter Verben der propositionalen Einstellung oder Eselssätze, zeigen jedoch, daß keine der beiden Richtungen die sprachlichen Phänomen in voller Breite erfassen können.

Eine alternative Theorie der Semantik der Nominalphrase und anaphorischer Ausdrücke wurde in den letzten Jahren entwickelt. Ausgehend von der intuitiven und sprachanalytischen Betrachtung einfacher Sätze werden sowohl indefinite und definite NPs als auch anaphorische Pronomen als Terme aufgefaßt, die mit Auswahlfunktionen gedeutet werden. Auswahlfunktionen rekonstruieren dabei die Referenz der Ausdrücke auf ihre Objekte. In dieser Analyse ist sowohl die Einheitlichkeit von unterschiedlichen Arten von anaphorischen Ausdrücken, wie auch diejenige zwischen Antezedens und anaphorischen Ausdruck gewahrt.

Eselssätze bilden eine prominente Klasse von Sätzen, an denen die Eigenschaften der formalen Rekonstruktion mit der natürlichsprachlichen Bedeutung der Sätze verglichen werden können. Meist wurden dabei deutliche Diskrepanzen sichtbar, die zu Weiterentwicklungen der formalen Theorien führten.

Eselssätze wie (1) zeigen die Interaktion von der Repräsentation der (indefiniten) Nominalphrase, der Darstellung anaphorischer Pronomen und der Deutung des Konditionals. Erst im Zusammenwirken werden Probleme sichtbar, die bei der Rekonstruktion der jeweils isolierten Phänomene nicht auffallen. Diese Art von Sätzen machen daher die Probleme der Nominalphrasensemantik und ihrer Repräsentationen erst deutlich. Sie sind seit der Antike ein heftig diskutiertes Phänomen der Sprachwissenschaft, der Philosophie und der Logik. Bis heute muß sich jede semantische Theorie daran messen lassen, ob sie eine plausible und überzeugende Analyse der Eselssatzproblematik vorzuweisen hat.

In der vorliegenden Arbeit werden drei Ziele verfolgt. Zum einen wird die Eselssatzproblematik genau analysiert, dann werden einige aktuelle semantische Theorien vorgestellt und schließlich wird als alternative Theorie die Analyse mit dem modifizierten Epsilonoperator eingeführt. Im 2. Abschnitt werden die Probleme, die sich an Eselssätzen zeigen, in unterschiedliche Problembereiche aufgeteilt. Erst deren Interaktion ergibt die komplexe Problematik des typischen Eselssatzes. Danach werden im 3. Abschnitt folgende semantische Theorien vorgestellt, die sich besonders um die Analyse der Eselssätze und verwandter Probleme bemühen: die Rekonstruktion der stoischen Logik von Egli, der E-Typ-Ansatz von Evans, Cooper, Neale und anderen, die Diskursrepräsentationstheorie von Heim und Kamp und schließlich die dynamischen Logiken nach Groenendijk & Stokhof und Dekker. Jede dieser Theorien erfaßt Teilbereiche der Problematik erfolgreich, zeigt aber an anderen Stellen Schwächen.

Im 4. Abschnitt wird daher die alternative Epsilonanalyse eingeführt, die eine neue Repräsentation von definiten und indefiniten NPs unternimmt. Sie werden wie Pronomen als kontextabhängige Terme aufgefaßt, die mit einem modifizierten Epsilonoperator repräsentiert werden. Der Epsilonoperator wird als Auswahlfunktion gedeutet. Damit ist diese Sicht flexibler als die Russellsche Position mit dem Jotaoperator, der der problematischen Einzigkeitsbedingung unterliegt. Durch die Kontextabhängigkeit der Epsilonausdrücke ist ferner ein dynamisches Element gegeben, das von der Progression der Information in Texten abhängt. Im 5. Abschnitt wird die Epsilonanalyse an der Eselssatzproblematik getestet. Dabei wird deutlich werden, daß diese Analyse neue Wege beschreitet und eine vielversprechende Alternative zu anderen semantischen Theorien bildet.


Zurück an den Beginn der Seite

Bei Fragen oder Kommentaren zu dieser Page wenden Sie sich bitte an

klaus.heusinger@uni-konstanz.de

Letzte Änderung: 26.5.2000