Salienz und Referenz

Der Epsilonoperator in der Semantik der Nominalphrase und anaphorischer Pronomen.

Klaus von Heusinger 

Studia grammatica 43. Berlin: Akademie Verlag 1997

 
 Vorarbeiten für dies Buch sind in zwei Arbeitspapieren dokumentiert:

Abstract

Definite NPs and anaphoric expressions need contextual information to fix their reference. An essential part of this contextual information consists in a salience hierarchy that imposes an order on the set of potential referents.I reconstruct the pragmatic concept of salience with context dependent choice functions and develop a dynamic semantics that expresses the context change potential as updates of choice functions. Thus, the formalism is an extension of DRT and FCS that solves the problem of how to establish anaphoric links. Especially, donkey sentences get a new and transparent analysis.

Inhalt

Einleitung

Die Arbeit entwickelt ein neuartiges Bild von der Referenz sprachlicher Ausdrücke, indem semantische und diskurspragmatische Aspekte zu einer einheitlichen Analyse zusammengeführt werden. Am Beispiel des referentiellen Verhaltens von definiten und indefiniten Nominalphrasen werden die semantischen und sprachphilosophischen Probleme diskutiert. An der Darstellung und Kritik der klassischen Kennzeichnungs?theorie nach Russell wird die Notwendigkeit für eine diskurspragmatische Verankerung der Referenz aufgezeigt. Dazu wird auf das Konzept der Salienz zurückgegriffen, das bei der Analyse von anaphorischen Beziehungen in der Prager Schule und in der Künst?lichen Intelligenz seit den 80er Jahren informell benutzt wird. Salienz wird sprachana?lytisch und linguistisch untersucht und mit dem Hilbertschen Epsilonoperator formal rekonstruiert, der das Semantem für den definiten und indefiniten Artikel bildet. Die so erweiterte Semantik kann nicht nur die Referenz von Nominal?phrasen präziser erfassen, sondern liefert auch eine transparentere Analyse von anaphorischen Beziehungen. Die am Ende entwickelte Semantik der Salienz?verän?derung stellt eine Erweiterung der File Change Semantics von Heim, der Diskurs?repräsen?tationstheorie von Kamp und der dynamischen Logik Amsterdamer Art dar.
 Ausgehend von der traditionellen Beschreibung definiter und indefiniter Nominal?phrasen, wird in Kapitel 1 intuitiv erläutert, welche Rolle das diskurs?prag?matische Prinzip der Salienz bei der Bestimmung der Referenz definiter Ausdrücke spielt. In Kapitel 2 wird die klassische Kennzeichnungstheorie von Russell dargestellt und kritisiert, um dann in Kapitel 3 einen alternativen Formalismus vorzustellen, der die Intuitionen aus Kapitel 1 besser erfaßt. Hilberts Epsilonoperator wird als Semantem für den definiten und indefiniten Artikel eingeführt und ausführlich dargestellt. In Kapitel 4 wird die klassische Epsilontheorie zweifach modifiziert: Der Epsilonoperator wird erstens kontextuell abhängig gemacht, und zweitens erhalten sprachliche Ausdrücke ein salienzveränderndes Potential. Das Referenzverhalten von definiten und indefiniten NPs wird in Kapitel 5 untersucht. Dabei lassen sich ihre Gemeinsamkeiten in der entwickel?ten Theorie einheitlich darstellen. Die beiden Kapitel 6 und 7 wenden die Epsilonanalyse auf anaphorische Pronomen in einfachen und komplexen Strukturen an. Kapitel 8 entwickelt abschließend eine dynamische Semantik, in der das salienzverändernde Poten?tial sprachlicher Ausdrücke als wesentlicher Bedeutungs?bestandteil rekonstruiert wird.

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Letzte Änderung: 26.5.2000