DEFINITE KENNZEICHNUNGEN ALS
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In der formalen Semantik werden definite Nominalphrasen und bestimmte anaphorische Pronomen (E-Typ Pronomen) traditionell als definite Kennzeichnungen im Sinne von Russells Theorie der Kennzeichnung beschrieben. Für die Russellsche Kennzeichnung gilt die Existenz- und die Einzigkeitsbedingung, d.h. es darf nur genau ein Objekt geben, das unter die Beschreibung der Kennzeichnung fällt. Da beide Bedingungen für Kennzeichnungen in natürlicher Sprache zu stark sind, muß die Russellsche Theorie modifiziert werden. Kennzeichnungen können mit Hilfe eines Mengenauswahloperators adäquater beschrieben werden. Dieser nach Hilbert & Bernays (1939) Epsilon genannte Operator wählt das salienteste Objekt aus einer Menge aus, die durch die Beschreibung in der Kennzeichnung gegeben ist. An den sogenannten "Bischofssätzen" wird der Vorteil der Epsilonanalyse gegenüber der Russellschen demonstriert.
Einleitung
Syntax und Semantik der definiten Nominalphrase
Theorie der definiten Kennzeichnung
Syntax und Semantik des Epsilon-Operators
Salienzhierachie, Ordnung und Situationsabhängigkeit
Existenzannahme und das Problem der leeren Kennzeichnungen
Einzigkeitsbedingung und unvollständige Kennzeichnungen
E-Typ-Pronomen
Bischofssätze
Zusammenfassung
Unter Kennzeichnungen, speziell definiten Kennzeichnungen, werden wir im folgenden Nominalphrasen mit dem definiten Artikel, wie z.B. die Insel verstehen. Neben definiten NPs können auch die sogenannten E-Typ Pronomen als definite Kennzeichnungen aufgefaßt werden. Ein E-Typ Pronomen ist ein Pronomen, das sich nicht als gebundene Variable formalisieren läßt. Einfacher gesagt, es handelt sich um einfache Pronomen, deren Bezugswörter nicht im gleichen Satz stehen (so daß sie von diesen auch nicht gebunden werden können). Im folgenden werden wir die klassische Deutung der definiten Kennzeichnung nach Russell kritisieren, da sie sowohl bei der Analyse von definiten NPs als auch bei der Formalisierung von E-Typ Pronomen zu starke Annahmen macht. Die alternative Analyse, die Epsilon-Ausdrücke als Semanteme sowohl für definite NPs als auch für E-Typ Pronomen benutzt, ist adäquater für die Beschreibung natürlicher Sprache.
Der hier vorgestellte Teil der Untersuchungen zur definiten Kennzeichnung ist ein Ausschnitt aus einem Forschungsprogramm zur Semantik der definiten und indefiniten Nominalphrase sowie der Anaphora in Konstanz. In dem Projekt wird an einem gemeinsamen Semantem für den definiten und indefiniten Artikel und für Pronomen gearbeitet. Dieses Semantem wird durch den Epsilon-Operator bzw. durch Epsilon-Ausdrücke formal repräsentiert. Eine einheitliche Theorie von definiten und indefiniten NPs sowie Pronomen hat natürlich weitreichende Konsequenzen, die im Rahmen dieses Aufsatzes nicht ausgeführt werden können. Hier soll die Funktionsweise des Epsilon-Operators an einem Ausschnitt gezeigt werden, der nur die definite Nominalphrase und anaphorische Pronomen behandelt. Wir werden versuchen, die Darstellung weitgehend auf unsere sprachlichen Intuitionen zu beziehen und möglichst wenig Formeln zu benutzen.
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Letzte Änderung: 4.11.99