Fachbereich Sprachwissenschaft
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o Contents
o Introduction
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1. Einleitung 1
2. Nominalisierungen im Deutschen 2
3. Wortbildung der deutschen Mystik 9
4. Lateinisches Lehngut und Literatur für Laien 12
5. Deutsche Mystik und lateinische Scholastik 16
6. Eine Quantitative Analyse des religiösen Wortschatzes 19
7. Zusammenfassung 26
Zitierte Literatur 27
Appendix A: Aufteilung der dt. Suffixe nach den Lateinischen Vorlagen
A 1. Übersichtsdarstellungen 30
A 2. Auflistung der Wortpaare dt.-lat. 31
A 3. Alle deutschen Formen alphabetisch 37
Appendix B: Übersetzung der lat. Formen in deutsche Entsprechungen
B 1. Übersichtsdarstellungen 40
B 2. Auflistung der Wortpaare lat - dt. 41
B 3. Alle lateinischen Formen alphabetisch 47
1. Einleitung
Ereignis- und Eigenschaftsnominalisierungen, oft auch vereinfacht Abstraktbildungen genannt, gehören zu den wichtigsten Mitteln, um den Wortschatz zu erweitern; doch genießen sie keinen sehr guten Ruf, da ihnen Umständlichkeit, technischer Stil und Fachsprachlichkeit nachgesagt werden. Abstraktbildungen sind jedoch wie auch andere Wortbildungen als Kulturleistung zu betrachten. So führte z.B. im Mittelhochdeutschen die Bildung der Laien durch Predigt, Scholastik, Mystik und Erbauungsliteratur in der Volkssprache seit dem 12. Jh. zu einer neuen Welle von Abstraktbildungen: "Der Bildung des &Mac226;Volkes, oder sagen wir jetzt zeitnäher: der Laien, entspricht die&Mac226;Bildung der Sprache." (Ruh 1956, 74). Diese "Bildungswörter" sind dann in den Allgemeinwortschatz übergegangen, wo sie teilweise noch heute gebraucht werden: begreifen, bilden, einleuchten, Eindruck, Einfluß, Empfänglichkeit, Erleuchtung, Geistigkeit, Vereinigung usw. Ferner sind so viele neue Abstrakta auf -ung und -heit gebildet worden, daß diese Bildungen heute zu den produktivsten Ableitungen von Abstrakta gehören. Besonders der Sprache der Mystik im Mittelalter wird bei der Bildung von neuen deutschen Wörtern im Bereich der Abstrakta eine zentrale Rolle zugewiesen. Die Mystik habe in ihrem Bestreben, religiöse Inhalte und religiöses Erleben in der Volkssprache auszudrücken, in ihrer Ablehnung von Fremdwörtern und ihrem Bedürfnis, über das Gegenständliche hinauszugehen, viele genuin deutsche Wörter kreativ geschaffen. Die Arbeit versucht diese Leistung der deutschen Mystik in die geistesgeschichtliche Tradition des Mittelalters und die sprachlichen Verhältnisse der Zeit einzubetten. So läßt sich zeigen, daß die Bildungssprache Latein in jahrhundertelangem Kontakt einen prägenden Einfluß auf die Volkssprache Deutsch ausgeübt hat, der sich bis in die Ausdifferenzierung der Funktion von den Nominalisierungssuffixen -ung und -heit nachweisen läßt.
Abschnitt 2 gibt einen synchronen und diachronen Überblick über die Nominalisierungsmuster im Deutschen und ihre Distribution. Dabei wird die synchron nicht eindeutig zu rekonstruierende Verteilung der Funktionen der unterschiedlichen Abstraktsuffixe diskutiert. Diachron betrachtet haben sich die semantischen Funktionen der Suffixe erst langsam herausgearbeitet und systematisiert. In Abschnitt 3 wird die häufig vertretene These dargestellt, die deutsche Mystik habe in ihrem kreativen Sprachgebrauch viele neue Abstraktbildungen geschaffen. Damit habe sie wesentlich zur Selbständigkeit des Deutschen beigetragen. Die folgenden beiden Abschnitte führen aus, daß diese vereinfachte Sicht in den kulturellen und sprachlichen Zusammenhang gebracht werden muß. In Abschnitt 4 wird der linguistische Hintergrund für den lang andauernden Sprachkontakt zwischen Latein und Deutsch aufgearbeitet. Dabei wird besonders auf die unterschiedlichen Arten von Lehngut und dessen Einteilung eingegangen. In Abschnitt 5 wird auf die enge Verflechtung zwischen deutscher Mystik und lateinischer Theologie eingegangen. Die Mystiker hatten, wie das Beipiel von Meister Eckhart belegt, in der Regel eine hervorragende theologische Ausbildung an Ordensstudien oder Universitäten erhalten. Die Mystikerinnen wurden dagegen von ihren hochgebildeten Beichtvätern oder "Sekretären" in theologischen Fragen unterwiesen, wobei diese gleichzeitig dafür Sorge trugen, daß die Frauen durch ihre Äußerungen nicht unter Häresieverdacht geraten konnten. Dieser "Bildungshintergrund" führte auch zu einer Einflußnahme lateinischer Wortbildungsmuster auf das Deutsche. Abschnitt 6 analysiert schließlich ein Korpus von 465 lateinisch-deutschen Paaren in bezug auf die Abhängigkeit der mittelhochdeutschen Bildungen von den lateinischen Vorlagen. Dabei wird die oben erwähnte Korrelation zwischen lat. -(at)io und mhd. -ung(e) sowie lat. -tas und mhd. -heit quantitativ belegt. Ein Appendix präsentiert das gesamte ausgewertete Material in Wortlisten, Tabellen und Graphiken.
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Letzte Änderung: 4.11.99