In Kopulasätzen, Passivsätzen und analytischen Tempusformen setzt sich die grammatische und die lexikalische Gesamtbedeutung des Prädikats aus der Bedeutung des Kopula- oder Hilfsverbs und der Bedeutung des Komplements zusammen. Zusammengesetze Prädikate stellen ein Problem für das Kompositionalitätsprinzip dar, weil nicht klar ist, welchen semantischen Beitrag der jeweilige Prädikatsteil zur Gesamtbedeutung leistet. Ziel des Workshops ist es, aktuelle Arbeiten zu zusammengesetzten Prädikaten in verschiedenen Sprachen wie Deutsch, Spanisch und Russisch zu diskutieren und die Ergebnisse dieser Analysen für Kompositionalität aus formalsemantischer Perspektive zu bewerten.
ProgrammMittwoch, den 20. Juli 2005, Keplerstraße 17, Raum 17.56 (im 5. Stock) |
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| 13.00 -14.00 |
Andreas Wesch (Köln) |
| 14.00 - 14.15 |
Kaffeepause |
| 14.15 - 15.15 |
Holden Härtl (Berlin) |
| 15.15 - 15.30 |
Kaffeepause |
| 15.30 - 16.30 |
Björn Rothstein (Stuttgart) |
| 16.30 - 16.45 |
Kaffeepause |
| 16.45 - 17.45 |
Ljudmila Geist (Stuttgart) |
| 18:00 |
Gemeinsames Abendessen |
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Abstracts |
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| Andreas Wesch (Universität Köln) Die Kopulaverben des Werdens im Spanischen Das Spanische kennt nicht nur zwei Kopulae des Seins (ser und estar), sondern es zeichnet sich vor allem beim Ausdruck von 'Übergang von einem Stadium A zu einem Stadium B' durch eine besondere Vielfalt an Verben aus. Dabei spielt es ohne Anspruch auf Vollständigkeit der folgenden Parameter eine Rolle, ob Stadium B eine dauerhafte Eigenschaft oder ein vorübergehender Zustand (oder etwas dazwischen) ist, ob es sich um ein plötzliches oder ein allmähliches Werden handelt, ob sich das Werden rein passiv oder mit einer aktiven Handlungskomponente abspielt und ob der Wandel von A nach B positiv oder negativ bewertet wird. Wo etwa das Deutsche, das Französische, das Italienische und das Englische jeweils nur werden, devenir, diventare und to become einsetzen, erscheint im Spanischen nur ausgesprochen selten devenir + NOM, sondern, und dies in sehr genau festgelegter Distribution, ponerse, volverse, hacerse, quedarse, llegar a und llegar a ser + NOM, um nur die wichtigsten Kopulae zu nennen. Ähnliches beobachten wir im Katalanischen und Portugiesischen. Ausgehend von einem flexiblen Beschreibungsmodell, das sich an kognitive und an frames-orientierte Ansätze anlehnt, soll versucht werden, die Vielfalt des Ausdrucks des Werdens im Spanischen (und in den anderen iberoromanischen Sprachen) genauer semantisch und gegebenenfalls auch pragmatisch sowie varietätenlinguistisch zu bestimmen. Auch das Phänomen der Kollokation spielt hierbei eine Rolle.
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| Holden Härtl (Humboldt-Universität zu Berlin) Vom Konzeptuellen zum Syntaktischen: Die Kopula werden als Schnittstellenwunder Bei der an sich schon schwierigen Implementierung des Zusammenspiels der verschiedenen strukturbildenden Ebenen stellt die Kopula werden eine besondere Herausforderung dar: Sie weist eine Reihe recht willkürlich scheinender Selektionsbeschränkungen auf: (1) Im Vortrag werde ich zeigen, dass zur Bestimmung des grammatischen Verhaltens der Kopula-Prädikativ-Konstruktion mit werden und einem Adjektiv eine Anzahl von Faktoren aus ganz unterschiedlichen Ebenen herangezogen werden muss. Hierfür wird einerseits der pragmatisch basierte Faktor der lexikalischen Blockierung etabliert, welcher mit verschiedenen Korpusdaten unterlegt wird. Im Falle einer Blockierung ist die blockierte Form (s. (1a)) nämlich grammatisch lizenziert und entspricht somit prinzipiell den kompositionalen Wahrheitsbedingungen, was bedeutet, dass diese Form (in niedriger Frequenz) nachweisbar sein muss. Zu den Wahrheitsbedingungen zählt der konzeptuell-semantische Faktor der Kontrolle, der die selektionalen Optionen von werden ebenfalls einschränkt: Das Adjektiv im Komplement von werden muss einen unkontrollierten Zustand bezeichnen können (s. (1b)). Dies wird gestützt durch die Verbesserung der Akzeptabilität unter generischer Lesart wie in Schulbücher werden nächstes Jahr kostenlos, wo das Subjekt generisch auf eine unkontrollierte Objekteigenschaft referiert. Ferner ist die Anschließbarkeit einer Dativ-DP (i.e. eines dativus (in)commodi) bei gehen-Komplexen im Gegensatz zu werden-Komplexen (s. (1c)) darauf zurückzuführen, dass sich beide obwohl kompositional-seman-tisch identisch in ihren syntaktischen Strukturen fundamental unterscheiden: Genau wie bei den lexikalischen Unakkusativa prädizieren Ausdrücke wie kaputt / pleite gehen als komplexe verbale Köpfe über ein "internes" Argument, das im Specifier einer vP plaziert ist. Diese Konstellation wiederum lizenziert eine Dativ-DP (als Ausdruck eines nicht-intentionalen Kontrolleurs) im Specifier einer Applikativ-Phrase (ApplP). Im Gegensatz dazu stammt das Subjekt von werden von der externen Argument-Position einer Adjektiv-Phrase ab, was die Anwendung einer Dativ-DP auf das affizierte Nomen im Subjekt verhindert. Schließlich weist werden eine morpho-syntaktisch kategoriale Bedingung auf dahingehend, dass werden nur mit attributiv verwendbaren Adjektiven kombiniert werden kann (s. (1d)): die *alleine / einsame Ripley. Das Zusammenspiel dieser Faktoren wird vor dem Hintergrund einer Theorie einer dekompositionalen Semantik, welche die Schnittstelle zwischen syntaktischer und konzeptueller Strukturbildung organisiert, implementiert. |
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| Björn Rothstein (Graduiertenkolleg Universität Stuttgart) (Zusatz-)Bemerkungen zu Fügungen des Typs 'kam gefahren' Partizipien II machen von jeher Ärger: Sind sie Adjektive, Verben oder eine eigene Kategorie? Ist eine uniforme Partizipbedeutung für alle Verwendungen möglich? Oder gibt es ein Passiv-, ein Perfekt- und ein adjektivisches Partizip? Die Diskussion dieser Fragen kreist stets um dieselben Konstruktionen: miteinander verglichen werden in der Regel attributive Partizipien, das Perfekt, das Zustandspassiv, das Vorgangspassiv und gelegentlich das bekommen-Passiv. Andere Konstruktionen werden, wenn überhaupt, nur gelegentlich miteinbezogen. Ein Beispiel stellen Fügungen des Typs kam gefahren dar. Die Syntax und Semantik dieser Fügung ist auf synchroner Ebene kaum detailliert untersucht worden (u. a. KRAUSE (1994), VOGEL (erscheint)). Unklar bleiben weiterhin der exakte Status von finitem Verb und Partizip. Handelt es sich um ein finites Vollverb mit adverbialer Modifikation in Form eines Partizips oder um eine Art Verbalkomplex? Auch die Semantik, insbesondere deren Komposition, bedarf weiterer Untersuchung. Im Mittelpunkt stehen daher die syntaktischen und semantischen Eigenschaften der Fügungen kam gefahren, deren Analyse auch Aufschluss über die Komposition anderer Partizipialkonstruktionen gibt. |
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| Ljudmila Geist (Universität Stuttgart)
Kompositionalität bei zusammengesetzten Prädikaten: Russisch vs. Spanisch Das Spanische und das Russische verfügen über zwei Varianten der Kopula-Prädikativ-Konstruktionen. Im Spanischen kann das adjektivische Prädikativ mit der Kopula ser oder mit der Kopula estar kombiniert werden, vgl. (1). (1) Die jeweilige Kopula kann je nach Kontext unterschiedlich interpretiert werden. So kann die Eigenschaft, die durch das Adjektiv in Kombination mit estar bezeichnet wird, als vorübergehend und akzidentell oder auch als nicht erschöpfende Charakterisierung interpretiert, wohingegen die Eigenschaft, die durch das Adjektiv in Kombination mit ser bezeichnet wird, als permanent, essentiell oder auch als erschöpfende Charakterisierung gedeutet wird. Maienborn (2003) gibt für den Unterschied zwischen (1a) vs. (1b) eine diskurs-pragmatische Erklärung und führt so alle Lesarten bei estar auf einen gemeinsame Grundlage zurück: estar signalisiert die Beschränkung der Prädikation auf eine spezifische Topiksituation, wohingegen ser keine solche Beschränkung verlangt. Maienborn nimmt an, dass diese diskurs-pragmatische Bedingung Bestandteil des Lexikoneintrags von estar ist.
Das Russische weist eine dem Spanischen vergleichbare overte Differenzierung auf, jedoch nicht als lexikalische Wahl bezüglich des Kopulaverbs, sondern als morphologische Alternation bezüglich des Kasus am Prädikativ: das Prädikatsnomen kann im Russischen im Nominativ oder im Instrumental stehen. b. Die Interpretationen, die mit der Wahl des jeweiligen Kasus einhergehen, sind ähnlich den Interpretationen, die durch die Wahl der Kopula estar vs. ser im Spanischen ausgelöst werden. Ich werde dafür argumentieren, dass die Wahl des Instrumentals die Beschränkung der Prädikation auf eine spezifische Topiksituation signalisiert. Das Russische unterscheidet sich somit vom Spanischen darin, wie semantische Komponenten des zusammengesetzten Prädikats auf deren syntaktische Bestandteile - Kopula und Prädikativ - verteilt sind. Während im Spanischen der Bezug auf eine spezifische Topiksituation im Lexikoneintrag der Kopula estar festgelegt ist, ist im Russischen der Bezug auf eine spezifische Topiksituation Teil des Lexikoneintrags des Instrumental-Affixes. Da Kasuszuweisung generell syntaktischen Restriktionen unterliegt, gelten im Russischen zusätzliche Beschränkungen für die Markierung des Bezugs auf eine spezifische Topiksituation durch das Instrumental-Affix. Maienborn, Claudia (2003): Die logische Form von Kopula-Sätzen. Berlin: Akademie-Verlag. |
Organisation |
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| Ljudmila Geist Universität Stuttgart Institut für Linguistik/Germanistik Keplerstraße 17 70174 Stuttgart Tel.: 0711-121-3457 Fax: 0711-121-3141 E-Mail: Ljudmila.Geist#ling.uni-stuttgart.de |
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Wegbeschreibung |
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Hotelswww.stuttgart.de |
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letzte Aktualisierung: 19.07.05 |